Wir sind Welterbe!
Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí trägt seit Juli 2019 den Titel „UNESCO-Welterbe“.
Uranerzbergbau
Insgesamt 22 Bestandteile zählen zum Welterbe dazu: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite.
Gemeinsam vermitteln sie das Bild einer vom Bergbau geprägten historischen Kulturlandschaft.
Der Bestandteil „Bergbaulandschaft Uranerzbergbau“ repräsentiert den umfangreichen und weite Teile des Westerzgebirges prägenden Bergbau auf Uranerze der ehemaligen SDAG Wismut. Seit der politischen Wende 1990 ist die bundeseigene Wismut GmbH mit der Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus beauftragt. Der Erfolg ist in den betroffenen Regionen nicht nur wichtig für die Menschen und die Umwelt, er bietet auch Chancen. Heute blickt man zum großen Teil auf sanierte Landschaften, die eine gefahrlose Nachnutzung ermöglichen.
Neben der Schachtanlage 371 bei Bad Schlema dokumentiert die renaturierte Haldenlandschaft (u. a. mit der Halde 366 in Aue-Bad Schlema) die Phase des Uranerzbergbaus.
Haldenlandschaft Aue-Bad Schlema
Der Standort Schlema-Alberoda der Wismut GmbH liegt in Südwestsachsen, nördlich der Stadt Aue-Bad Schlema. Hier wurde von 1946 bis 1990 eine der weltweit größten Uranerzlagerstätten abgebaut, aus deren Erzgängen ca. 80.000 t Uran gewonnen wurden. Die durch den Bergbau auftretenden Senkungen führten im Ortskern von Oberschlema zu schweren Bergschäden, die schließlich ab 1952 den Abbruch des gesamten Kurviertels erforderten. Nordöstlich der Teillagerstätte Oberschlema wurden im Zeitraum von 1949 bis 1990 mehr als 1000 uranerzführende Gänge bis zu 2000 m Teufe erkundet und abgebaut.
Ausmaß des Grubengebäudes
Das riesige Grubengebäude erreichte eine übertägige Erstreckung von etwa 22 km². Den Aufwand an bergmännischen Arbeiten verdeutlichen ca. 4.200 km horizontaler Vortrieb und ca. 40 Mio. m³ untertägiger Hohlraum. Wesentliche Erschwernisse in der Betriebsführung waren u. a. Gesteinstemperaturen von etwa 65 °C in großen Teufen, die besondere Maßnahmen für die Bewetterung und Klimatisierung erforderten, die zu Gebirgsschlägen neigenden geomechanischen Bedingungen und die mehrfach gebrochene Förderung. Allein der Energieverbrauch der Grube erreichte die Größenordnung einer mittleren Stadt.


Erhöhte radiologische Belastung
Infolge der Bergarbeiten waren 42 Halden mit einem Gesamtvolumen von ca. 45 Mio. m³ aufgeschüttet worden, die eine Aufstandsf läche von ca. 313 ha einnahmen. Davon verblieben 21 Halden in der Sanierungsverantwortung der Wismut GmbH. Neben der teilweise fehlenden Standsicherheit ging von den freiliegenden Flächen vor allem durch Staubabwehung und Radonaustritt eine erhöhte radiologische Belastung aus. Der größte Teil der Halden ist bis heute vollständig saniert.
Schacht 371
Der Schachtkomplex 371 in Hartenstein ist eine der wenigen Uranerz-Bergbauanlagen der ehemaligen SDAG Wismut, die in großen Teilen erhalten geblieben ist. Die ab 1956 errichteten Tagesanlagen umfassen
das Schachtgebäude mit einem 50 m hohen Stahl-Fördergerüst, das Maschinenhaus mit Fördermaschine und ein großes Funktions- und Verwaltungsgebäude. Am 1. Mai 1959 erfolgte die Übergabe des Schachtes vom Objekt 11 an das Objekt 09. Er ging deshalb bei der offiziellen Inbetriebnahme am 2. Mai 1959 als „Jugendschacht 1. Mai“ in die Wismut-Geschichte ein.
Der Schacht 371 war ab den 1960er Jahren der wichtigste Förderschacht des ehemaligen Bergbaubetriebes Aue. Die Schachtröhre war ca. 1.000 m tief und hatte einen Durchmesser von 7 m. Der Bergbau in der weltweit größten Uranganglagerstätte erreichte eine Abbautiefe von mehr als 1.800 m. Die Schachtanlage, die bis zu 3.000 Personen beschäftigte, gehörte damit zeitweise zu den tiefsten Bergwerken Europas und lieferte bis zur Einstellung 1990 mehr als 73.000 t Uran. Im März 2011 wurde der letzte große Wismut-Schacht schließlich verschlossen. Die Betriebsfläche 371 ist bis heute der Sitz des Sanierungsbereiches Aue der Wismut GmbH. Zu sehen ist dort auch die unternehmenseigene Lagerstättensammlung.
